New Topos

 

Kletterer werden enttäuscht sein. Die folgenden Bilder haben nichts mit Klettertopos zu tun, sondern sind bloß Urlaubsbilder. Nämlich von unserem letzten Besuch im Mai in Kreta (wo sonst). Da beschäftigte ich mich mit Topografien im klassischen Sinn, Landschaftsformen, aber vor allem mit Felsen. Diesmal habe ich mich ihnen nur mit Skizzen genähert. Nächstes Mal vielleicht wieder als Kletterer.29177AAD-9F50-4A61-BB29-597B5B1B484E9FA68601-0446-4836-9918-40DDC90FF34F2861BE80-A9D3-47D7-9506-E2CEAB49F9AA2CD6C119-8121-4E0E-B7A7-6AC4326EFA71F41337C5-87F3-4F08-A774-DF22009FA620C1B8614F-E5BE-4244-B5F2-3A7C24CCE3DAC761DBFC-C44F-4435-8CB3-B226CF4BE837264B4BAB-2940-4C00-BF28-7FD0443F3F8635F68568-C77B-4A60-B9E9-957375D1642925116137-529C-4A9E-AEB9-AD2E96879B111CB3CCDD-150F-4C43-805C-A53055E0C1B73CC1834B-B9A6-4124-941E-4DBDA569C9D6

Vom Klettern träumen

Seit längere Zeit führe ich ein Traumtagebuch. Ich versuche dabei immer am Morgen schnell den Traum oder Traumfragmente der vorhergehenden Nacht aufzuschreiben und zu skizzieren. Diese sind oft wüste Skribbles, die nur ich interpretieren kann. Manchmal nehme ich mir mehr Zeit und fertige etwas ausführlichere Skizzen an. Ich habe festgestellt, dass die Träume, die am häufigsten vorkommen, vom Klettern handeln.  Anbei ein paar davon:

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Bald bin ich oben im leichten Gelände. Doch das Seil läßt sich schwer nachziehen. Eine riesige Python hat sich um das Seil geschlungen. Mit letzter Kraft schaffe ich es zum Ausstieg.

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Ich seile mich in eine steile, mit Vegetation bewachsene Schlucht ab. Es geht ein starker Sturm. Oberhalb der Schlucht befindet sich eine Hochspannungsleitung. Ich habe Angst, dass der Wind die Seilenden in die Leitungen bläst.

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Ich irre mit meinem Kletterpartner (ist es Roland Maruna, ist es mein Sohn?) in einem hochalpinen Kar umher. Wir sind angeseilt. Es stürmt. Wir suchen nach etwas. Ist es ein Weg oder der Einstieg zu einer Kletterroute?

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Ich klettere am Meer. Dabei reiße ich einen Felsblock heraus und die ganze Wand bricht zusammen. Ich stürze mit den Felsen ins Wasser.

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Stürze, nachdem mir beim Abseilen der Umlenkhaken ausgebrochen ist, ins Leere. Das Seil, an dem ich mich abgeseilt hatte, ist mehrfach um meinen Arm geschlungen. Neben mir hängt ein rotes Seil. Wenn ich mich schnell dort einhängen kann bin ich gerettet.

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Die letzten Lichtstrahlen fallen über eine unendlich weite Landschaft aus Granitdömen. Es könnte Tuolumne Medows im Yosemite sein, mein Sehnsuchtsort. Ich stehe am Rande eines Abbruches und breite meine Arme aus. Ich fühle mich unendlich glücklich. Am Horizont erscheint das Zifferblatt einer Uhr. Jedoch die Zeiger werden schemenhaft von einer menschlichen Figur dargestellt. Wenn ich meine Arme bewege, bewegen sich die Arme des „Uhrmenschen“. Es muß ein mystisches Zeichen sein. Ich verstehe aber die Botschaft nicht.

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Wir klettern auf einem sturmumtosten Grat in Patagonien. Scharfkantige klare Granitformen und Eisschilder umgeben uns. Plötzlich tritt eine mystische Gestalt von einer der Felskulissen hervor. Sie sieht aus wie ein Zauberer, alles aber an ihr ist spitz, der Bart, die Augen und sie hat überlange Fingernägel, wie der Struwwelpeter. Es muss der Geist dieser Berge sein, der uns vor etwas warnen will!

Madeira Sketch

Erstarrte Lava, steil. Im Norden nebelgraue, schemenhafte Küstenkonturen. Meer und Himmel werden eins. Der Horizont weitet sich jedoch im Süden, wenn die Sonne die bunten Felskulissen anstrahlt. Orte, Häuser kleben an schroffen Flanken, In die Felsen gedrückte Legosteine. Brandung. Gischt hoch hinauf auf die Uferfelsen, tosend. Ins Meer eintauchen  eine Mutprobe für junge Männer. Nur wenige überwinden ihre Angst. Der wilde Osten, Ponta de Sao Laurenco, ein Felsfarbenrausch in Ocker und Grau, ein Standbild aus dem Film der Erderschaffung, als alles im Fluß war. Bergbrocken ohne Tal. Nur der türkise Atlantik umspielt die Sockel. Der dünne Finger, die Halbinsel, weist den Weg. Next Stop Marokko.

Sketches on site, teilweise mit Adobe Sketch nachbearbeitet.

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Once Upon a Climb!

James Skone – einer meiner Lehrmeister

Ich hatte heute, am dritten Tag des Jahres 2018, das Vergnügen, mit James eine gemütliche Jause zu verbringen.
Ich erinnere mich noch sehr genau, als ich ihn um 1975 das erste Mal sah: Am Peilstein führte er gerade die Teilnehmer eines Kletterkurses der UTA (Das war die Universitäts-Turnanstalt, heute heißt das USI – Universitäts-Sportinstitut. Man sagt, der damalige Direktor wollte es umbenennen, weil seine Frau es überdrüssig war, sagen zu müssen „Mein Mann ist in der Anstalt“).
Ich war jedenfalls von der Arbeit, die James mit Hingabe erfüllte, so inspiriert, dass ich beschloss, auch Bergführer zu werden.
James war Industriedesigner, und er ist der kreativste Mensch, den ich kenne. Eine Autofahrt mit ihm – sagen wir – von Wien ins Altmühltal ist eine Reise in eine unglaubliche Ideenwelt – es ist kein Sprudeln, es ist ein Schwall an Ideen, wo ich lernte, sämtliche Denklimits abzulegen.
Warum schreibe ich Altmühltal? Weil mich James 1981 zum berühmten Kletterertreffen in Konstein mitnahm, wo offiziell das Sportklettern aus der Taufe gehoben wurde und dazu Legenden wie John Bachar eingeladen waren. Ich war somit Dank James bei einigen geschichtsträchtigen Ereignissen. Er war zum Beispiel auch maßgeblich an der Entwicklung des Wasserfallkletterns beteiligt.

James und Erich Lackner bildeten ein unglaubliches Team: Die Ideenwelt von James und die Durchschlagskraft von Erich ließ am USI Wien eine alpine Methodik entstehen, die ihrer Zeit Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus war. Als junger Bergführer begleitete ich Seilschafrten beim selbständigen Klettern, wo beide Schüler abwechselnd vorstiegen – üblich war damals aber: Der Bergführer steigt mit 2-3 Leuten am Seil vor, und das nennt man Kletterkurs.

Eines Tages kam er mit seltsamen Eisenteilen am schnürl vorbei, die er Klemmkeile nannte. Eine Revolution, vorher gabs ja nur Haken (auf der gesamten Vegetarierkante z.B. nur einen einzigen).
Er hatte die Dinger aus England, wo er einige Zeit gelebt hatte, mitgebracht. James stellte das z.B. so dar:

Damit waren Stürze als Seilerster nicht mehr unbedingt tödlich.
Bald hatte ich das Vergnügen, mit James zu klettern. Legendär waren unsere Ausflüge in den Sandstein: Hinter „Foast mit in Sandstaa“ verbarg sich ein Ausflug ins ungesicherte Unkletterbare. Hier im Bild mit seiner Frau Krista, muss Ende der 1970er gewesen sein ….

Ein einschneidendes Erlebnis war, daß ich bei einem Riss, der nicht einmal den obersten Schwierigkeitsgrad trug, nicht einmal vom Boden abhob – und das Ding war 60 Meter hoch mit einem einzigen Ring in der Mitte.
Der Turm heißt übrigens Rakev – „Sarg“.
In diesem fast 40 Jahre alten Super-8-Film sieht man James und mich im Sandstein.

Dass ich dann, motiviert intensiv Rissklettern trainierend, 8 Jahre später alle diese Risse geklettert bin, verdanke ich diesem denkwürdigen „Fail“, den es nicht gegeben hätte, hätte mich James nicht mitgenommen.

James hat die Kletterszene am Peilstein aufgemischt und einige Durchbrüche erzielt. Vorstöße in den 7ten Grad gingen auf sein Konto.
Dass dabei der Spaß nicht zu kurz kam, ist glaube ich auf dem Bild oben gut zu erkennen.
Ein Glanzstück finde ich immer noch den Pan Galactic Gargle Blaster. Hinter dem seltsamen Namen verbirgt sich die Wiener Antwort auf den Drogenkult im Camp 4 im Yosemite Valley:
Dort lasen die Kletterer Carlos Castaneda, rauchten sich ein und benannten ihre Erstbegehungen nach Castanedas Buchtiteln (Separate Reality, Tales of Power usw.). James` Antwort war: „Wir lesen den Hitch Hikers Guide to the Galaxy und ich nenne den ersten Achter am Peilstein nach dem Kultgetränk des Romans „Pan Galactic Gargle Blaster“. Weil wir nehmen keine Drogen sondern gehen zum Heurigen.“
James als Engländer konnte den Wiener Schmäh sehr treffend umsetzen.
Das waren nur ein paar Mosaikksteinchen des Einflusses, den James auf mich hatte. Ich war ja durchaus geprägt von der „Siegen oder Sterben“-Heroik. James gab mir einen deutlichen Schubs in eine Leichtigkeit, die mir sehr guttat.
Dafür und für alles, was ich von Dir gelernt habe, möchte ich mich mit diesem Artikel bedanken.

3.Januar 2018

walteraufreisen.blogspot.co.at

 

Engadin Sgraffito

 

 

Anstatt dem „Schnappschuss“ mit dem Handy oder dem digitalen Fotoapparat ziehe ich es oft vor mir ein Stück Welt mit schnellem Gekritzel zu schnappen. Oft habe ich nur wenige Minuten Zeit oder ist die Position zum Skizzieren so unbequem, dass es schnell gehen muss. Viele Zeichnung drücken das dann auch aus. Gelegentlich nehme ich mir dann aber auch Zeit und die Ausführungen sind dann genauer. Da ich mich im alpinen Gelände gerne sportlich bewege, entstehen manche Skizzen auch in kurzen Pausen beim schnellen Gehen, beim Mountainbiken oder, vor allem im Engadin beim Langlaufen (mit der gelegentlichen Verwendung von Schnee zum Malen). Vielleicht sind die Anforderungen mit dem Biathlon vergleichbar. Da geht es auch darum den Puls beim Schießen zu beruhigen. Beim zeichnerischen „Snapp“schießen ist es ähnlich.

Im Engadin verbrachte ich viele Sommer und Winterurlaube mit Krista. Im Sommer fasziniert uns vor allem das Klettern in den oft hoch gelegenen Klettergärten, wo die Zustiege weiter sind und wir uns daher meist alleine mitten in hochalpinen Bergen  bewegen. Auch im Winter sind wir gebannt von der Erhabenheit der Landschaft. Wenn das Skilanglaufen nicht in Skandinavien erfunden worden wäre, wäre es hier erfunden worden. Das breite Tal des Oberengadin mit den Seen und die Seitentäler mit den eindrucksvollen Panoramen der Drei- und Viertausender bleiben mir noch lange als Sehnsuchtsorte im Gedächtnis. Fast alle gezeigten Winterbilder habe ich direkt vom Loipenrand, auf meinen schmalen Bretteln stehend, gezeichnet.

Manche Bilder sind nicht besonders. Aber die meisten Bilder mit dem Handy auch nicht. Doch der Unterschied liegt darin, dass ich mich beim Zeichnen mit der Landschaft intensiv beschäftigen muss. Ich betrachte sie und übersetze meine Eindrücke in eine Linie in meinem Skizzenbuch. Jedes Mal, wenn ich später das Bild betrachte, erlebe ich den Moment des „draußen“ seins intensiv wieder, durch meine fokussierte vorhergehende Beschäftigung mit dem gezeichneten Ort. Nur wenige digitale Schnappschüsse sind dazu in der Lage.

Aber – nicht weitersagen – ich fotografiere auch gerne. Manchmal nütze ich die Fotos, um unvollständige Zeichnungen daheim dann fertig zu stellen. Die wahre Energie liegt aber im spontan gekritzelten Strich, oft schwerfällig und verkrampft durch die voran gegangene fordernde Bewegung. Diese Bilder verankern mich mit den Bergen.

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Aquarell und Schnee

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