„…Would Clear My Head Like Mint“

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Bever

Der Himmel durchfurcht vom Kondensstreifenraster, dazwischen Wattewolken. Keine Duftwatschen mehr, wie im Kretischen Frühling, sondern ein helles weites Einatmen. Es riecht bitter nach Fels oder scharf wie Firn. Frisches Gras duftet nach frühmorgendlichem Aufbruch und das Moos im Nadelwald riecht geheimnisvoll modrig. August in den Bergen, das Jahr entschleunigt sich.

Am Mountainbike

Schon bald nach dem Losrollen scheint der Fahrtwind die Alltagsprobleme von mir zu saugen. Dennoch – gerade beim langen, langsamen Aufwärtstreten – ziehen Gedanken dahin, wie Wolken am Himmel. Wo der Weg meine gesamte Aufmerksamkeit, meine Geschicklichkeit und meine Kraft fordert, verengt sich mein Wahrnehmungstunnel. Aber diesen zu durchfahren macht mich endlich gänzlich frei von den inneren Quälgeistern.  Das Wechselspiel aus lockerem Dahinrollen, Gedankenspielen und dem Konzentrationstunnel ist wie Muskelanspannen und -dehnen. Oder so wie das Entwickeln von Ideen und das Lösen gestalterischer Aufgaben. Dabei beschäftige ich mich vorerst intensiv mit einer Aufgabe, bin ihr sehr „nahe“, bin in einem scheinbaren Tunnel. Dann gibt es den Moment des Loslassens, einen Moment der geistigen Befreiung, das lockere innere „Dahinrollen“. Aus dem Schatten tritt er nun, der Impuls, das Unerwartete, die Initialzündung, die meine Kreativität aufs Neue beflügelt.

Beim Gehen

Nun steige ich vom Mountainbike ab und werde den letzten Teil des Anstiegs bergauf wandern. Zu Fuß weiter gehen erinnert an den Ironman. Auch hier waren die ersten Laufschritte nach dem langen Radsplit sehr unsicher, fast eine konträre Bewegungsform. Also mühsam einen Schritt vor den anderen anderen setzen. Die nun zuletzt für das Bergsteigen erstmalig eingesetzten Stöcke helfen mir dabei das Gleichgewicht zu finden. Nun kommt mir der Berg entgegen, durch meinen langsamen Schritt. Nicht ich dem Berg, wie durch das Fahren mit dem Rad. So ist mein Wahrnehmungsfeld weit geworden, ich öffne mich für meine Umgebung. Der spätsommerliche Himmel bildet den blauen Hintergrund. Das klare Licht macht die Landschaft zur Bühne. Scharf konturierte Berge, Bäume und Felsen werfen starke Schatten.

Meine akustischen Sinne sind überwältigt von einem alpinen „Wall of Sound“. Der Bach dröhnt, donnert, rauscht, verstärkt durch den Hall des engen Tals. Aber der Wind spielt Begleitung durch sein unregelmäßiges „Huwohhh…,Huwohhh…,“  Diesmal sind es meine Ohrmuscheln, die den Klang formen. So wie ich zum Wind stehe, ändert sich der Ton. Irgendwo krächzt ein Kolkrabe. Ein schriller Pfiff eines aufgebrachten Murmeltiers durchbricht die Ruhe. Es läßt sich mit seiner Familie die warme Sonne auf den Pelz scheinen.

Ich glaube immer die Felsen, den Gneis, riechen zu können. Aber es ist wahrscheinlich  nur der Nadelgeruch der Latschen und Zirben.

Am Felsen

Neue Felsen, unbekannt. Sie wirken abweisend. Flechten geben den Eindruck abbröckelnder Hausmauern. Nicht sehr einladend. Der erste Kontakt. Routenskizze versus Realität. You can‘t judge a book by looking at it‘s cover. Die gewählte Route sollte meinem derzeitigen moderaten Kletterstandard entsprechen, sieht aber steil aus. Ich versuche Strukturen zu erkennen, den Fels zu lesen, klettere im Geiste voraus. So wie ein Skirennläufer, nur in verkehrter Richtung, bergauf. Wo sind die Sicherungspunkte? Sie verschwinden im Felsfleckenmeer. Ich vollbringe die Einstiegsriten, indem ich den Klettergurt anlege, die Sicherungsschlingen am Gurt anordne und mich ins Seil binde. Krista hängt das Seil in das Sicherungsgerät. Wäre ich zur See, wäre das das Zeichen zum Ablegen.

Ich mache die ersten Schritte vom sicheren Boden weg. Es ist ein vorsichtiges Annähern an den Berg, die ersten Bewegungen eines physischen Dialoges mit dem Fels. Er bietet mir seine Strukturen an. Ich nütze mein Bewegungsrepertoire für den nächsten Schritt. So gewinne ich an Höhe, nütze die variierenden Bewegungsaufgaben für mein Greifen und Steigen. Nun bin ich völlig auf den Moment fixiert. Mein Kopf ist von jedem überflüssigen Gedanken befreit. Noch hält mich die Anspannung des Kletterns gefangen. Ich möchte wegen meines noch immer schwachen Fußes kein Sturzrisiko eingehen. Umlenkhaken, der „Gipfel“. Nun wieder zum Boden abseilen. Erst hier, wenn die Tour vollendet ist, tritt der Moment der völligen Entspannung ein, ein völliges inneres Loslassen. Nun sind alle Sinne auf Empfang eingestellt. Sehen, Hören, Riechen auf volle Sensibilität. Auch scheint hier eine ähnliche Tunnelerfahrung stattzufinden, wie beim Laufen oder Mountainbiken. Fordert einen die Kletterei, dann befindet man sich auch hier in einem Wahrnehmungstunnel, wo sich alle Sinne auf  das Tun beschränken. Die Befreiung kommt danach in der Ruhe. Ist die Route subjektiv leicht, dann vergrößert sich der Wahrnehmungsraum. Man erlebt schon während der Tour seine Umwelt als gesamtes Sinneserlebnis.

„A day on Cloggy (eine der berühmten Wände in Wales) would clear my head like mint“ schrieb der kletternde Dichter Ed. Drummond in „A Dream of White Horses“. Ausdruck der Sehnsucht aller Bergbegeisterter.

In meiner Suche nach einem klaren Kopf und einem erfüllten Herzen sind mir Engadins Berge eine Inspirationsquelle.

 

 

 

 

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S-Charl
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Krista hat die Führung an sich gerissen. Jedoch angeseilt mit dem Sayonara, dem Japanischen Abschiedsknoten!
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Am Bike
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Am Bike
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S-Charl
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S-Charl
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Unterengadin
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Julierpass
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Julierpass

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Val Sasauna

 

 

 

Rax Revisited

“I hob kane Lire und kane Papiere“ Reinhard Fendrich 1981 als passende akustische Einstimmung zur Zeitreise. Aus dem Radio des Autobusses vom Bahnhof Payerbach zum Preiner Gscheid. Aussehen tut‘s ja hier fast noch genauso wie damals. Na gut, Retro ist derzeit wieder einmal stark angesagt, aber mit dem generellen Hype um das Sommertheater Reichenau und dem Rückzugstrend bestimmter Wiener Wohlhabender hierher, hätte ich mir mehr Schwung erwartet. Teilweise, um das Theater herum, sind die Häuser renovierter und es gibt ein paar schicke Lokale, aber in Hirschwang ist es trist, nachdem die Neupack weg ist. Die Gegend hat noch immer den morbiden Charme imperialistischen Verfalls.

So wie ich hier die frühen 1970er Jahre erlebte, als ich die Klettertage im düsteren Weichtalhaus im Höllental verbrachte. Damals zeichnete sich die Kletterszene durch nicht gerade gesellschaftlich korrektes  Verhalten aus. Schlechtwettertage wurden unter anderem damit verbracht, mit einer Brechstange riesige Felsblöcke donnernd ins Höllental zu befördern. Vor allem aber die Winterwochenende bleiben mir in Erinnerung, wo nur mehr der alpine Hardcore im Weichtal war und Westalpenwettersturzklettern übte, soll heißen, sich durch tief verschneites Grasfelsbruchgelände hoch grub, bis es (früh) finster wurde und man schauen musste, wie man zur Frau Rottensteiner in die warme Stube kam.

Aber diesmal war es zum ersten Mal seit langem, dass ich wieder auf einen „richtigen“ Berg stieg, wenn man die Rax so nennen kann. Vom Preiner Gscheid übers Waxriegelhaus und Seehütte zur Seilbahn Bergstation. Alles scheint aber steiler und länger geworden zu sein?! Vor allem der Weg von der Seehütte zum Ottohaus. Das war doch früher ein Spaziergang!

Vom Gscheid aber zum Waxriegelhaus ging‘s flott. Etwas über 35Minuten. Ja, bergauf ging’s flott, auch mit schwachem linken Fuß. Alte Berglaufgefühle kamen wieder auf. Heißt aber heute nicht mehr so, sondern „Trail Running“.  Dazu braucht man vor allem das entsprechende Outfit, um in den Bergen cool auszusehen. (Früher – ganz früher – hieß das: „zünftig“). So wie zwei Frauen, die an mir im Ebenen vorbeispazierten. Bekleidet waren sie mit Trailrunningschuhen, eng anliegendes Laufdress, Kompressionsstutzen und vor allem mit dem Trailrunningrucksack. Das ist ein Textilteil, das aussieht wie Jackentaschen ohne Jacke. Ja und noch die ultra light Trail Running Stöcke. Aber die Damen liefen nicht, sondern spazierten dahin, ähnlich den Nordic Walkerinnen. Sahen aber unheimlich verwegen aus.

Ich war dann froh, diesmal mit der Seilbahn ins Tal fahren zu können. 1000m Abstieg wären mir zu viel gewesen. Nächstes Mal vielleicht, sollte ich die Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmittel wiederholen. Die Busverbindung zum Preiner Gscheid ist noch immer am gleichen Stand wie vor 40 Jahren, als nur Menschen zweiter Klasse nicht mit dem Auto fuhren.

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Rax Lechnermauern
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Rax Preinerwandplatte
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Rax Preinerwand

 

 

 

 

 

Gehen

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Gehen war das Eingestehen der Schwäche – zumindest beim 100km Lauf. Das machte ich nur, wenn ich bei einer Verpflegungsstelle mein Süppchen schlürfte, oder eine Banane verdrückte. Beim Klettern war es ein Teil der Tour – unumgänglich, wenn man große alpine Routen besteigen wollte. Zuerst musste ich zum Einstieg der Route oft steil und lange über Schutthalden und Latschenfelder hinaufhatschen und dann vom Gipfel wieder runter, oft über mehrere Stunden. Das war anstrengend und oft öde, wenn dehydriert und erschöpft von einem oder mehreren langen Klettertagen. Auch gefährlich, da adrenalinlos unkonzentriert, die Schwierigkeiten hatte man ja hinter sich. So mancher Superkletterer ist beim Abstieg ins Jenseits gestolpert.

Und überhaupt – Gehen mit Stöcken. Lachhaft! Ein Stigma des Alterns und der knirschenden Gelenke. Machte ich nie, aber hauptsächlich weil ich zu ungeschickt war. Ich stolperte beim Bergabgehen über die Stöcke.

Aber nun gehe ich wieder, zumindest einige Kilometer. Nach über zwei Jahren Genesung mag mein Fuß wieder. Also, weg mit den Krücken und her mit den Stöcken! Endlich. Endlich wieder in die Berge GEHEN, steigen, einen Fuß vor den anderen setzen. Vorsichtig noch, zaghaft bergab, fest an die Stöcke klammernd. Das Fichtennadel-, Walderde-,  Blumenduftcuvée schnuppern. Ich trete wieder in einen verlassenen Erlebnisraum ein. Es ist das Deja Vu kindlicher Freude, Wienerwaldberge zu besteigen und dabei von großen Bergtouren zu träumen. Noch sind die Abenteuer im Kopf.  Der persönliche Everest kann sich mannigfaltig darstellen. Auch wenn er sich Rax oder Schneeberg nennen mag. Noch bringe ich 600 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zusammen, 1000m sind das Ziel. Ohne Sauerstoff aber mit Stöcken!

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Freak Pine on the Iron Gate Trail (Deutsch: Weg zum eisernen Tor)

 

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😜

 

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Schneeberg Breite Ries
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Schneeberg Lahnig Ries

 

Wanderbikeklettern (Zuletzt)

– Yosemite Backflash

Giant Sequoias im Dunkelsteiner Wald. Es fehlen nur die Bären.

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– Weinseligland Langenlois

Ringelspiel Pestsäule und Schmiedeeisenbrezel.

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– Marchradfeld

Ackerfurchen, Heckenreihen, endlose Felder/ Schrankenerektion, Propellerrotation, gerastertes Land/ Horizont, Fluchtpunkt, the sky is the limit!

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– Manhartsberg bebiked

Stiefern im Kamptal zwischen Zwiebelturm und Blutbaum(?)

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– Waldstroboskop

Licht (…), Licht (…), Licht (…)

Rad einmal! Lobau!

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– Back to Rock

Zum ersten Mal seit über zwei Jahren wieder „richtig“ klettern (mehrere Seillängen) mit Wendelin. „Direkter“ Teufelsgrat (-5!) auf der Hohen Wand. Bizarres Detail: Zu- und Abstieg (noch) mit Krücken.

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– Wienerwaldvelo

Kalks, Burg, Furt / Laab, Lainz, Wald / Tier, Garten, Mauer / Güten, Bach, Tor

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Jenseits von Ibiza

liegt Mallorca. Kein Ort für einen politischen Show Down. Statt dessen eine Aufsehen erregende Berglandschaft im Norden. Schroffe, für den Kletterer inspirierende Felsformen, türkises Kitschpostkartenmeer, Märchenwälder. Nix für Ballermänner und —frauen. Party, Party, Party ist im flachen Süden. Sonst wird in Mallorca im Frühjahr eine andere Lebensform zelebriert – Die sportliche Selbstverwirklichung in Form von Swim-Bike-Run. Port de Pollenca wird dann zum Triathlon Trainingscamp. Schwerpunkt scheint dabei das Radfahren zu sein. Kolonnen von manch übergewichtigen Freizeit Frooms, viele davon seine Landsmänner und -frauen treten, treten, treten auf hochpreisigen Hightechgeräten  endlos erscheinende Steigungen hinauf. Gäbe es ein Geräusch, das in meinen Ohren nachklingt, dann ist es das Pfauchen der Laufräder am Asphalt, beim Bergabfahren. „Chhhuuh“…. weg ist er. Hast Du ihn gesehen?

Autofahren kann hier stressig werden, im Schritttempo. Vor Dir gespannte Gesäß-muskeln und harte Wadeln in Gänsereihe. Umkehr der Straßenmachtverhältnisse. „Life behind Bars“ (Mit einem Bild eines Rennradlenkers) stand auf dem T-shirt eines der Radfahrer. Besser wäre „King of the Road“.

Unser Training war beschaulicher. Viel Radfahren, so weit gehen, wie es mein Fuß erlaubte. Außerdem fand ich zeichnerischen Gefallen am Formenreichtum der Felsen. Anbei eine kleine Auswahl aus meinem Skizzenbuch.

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Spring Sketch

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Friedrichswand
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Schneeberg
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Kreta
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Schneeberg
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Kreta
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Wienerwald
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Friedrichswand
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Freidrichswand
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Engadin
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Engadin
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Schneeberg
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Prater
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Prater

Der Eiszeit zu weit voraus

 

1979. Die Eisgeräte waren damals noch nicht für das Steileisklettern gedacht. Form und Ausführung entsprachen eher den Anforderungen von hochalpinem Flankeneis. Ich begann daran herumzubasteln und es entstanden einige eigenwillige Versuche, Pickel mit Doppelspitze, analog den Frontzacken der Steigeisen. Weiters „erfand“ ich eine Doppelklaue als Stabilisator am Schaftende des Pickels, die in modifizierter Form als additiver Teil von Salewa hergestellt wurde. Sie war der totale wirtschaftliche Flopp!

Eine gestalterische Maßnahme sollte aber doch hervorgehoben werden: Schon ganz am Anfang des Eiskletterns erkannte ich, dass man sich bei einem geraden Pickelschaft die Finger am Eis anschlägt. Ich entwarf daher einen gekrümmten Schaft. Als ich dann mit dem Konzept zum Leiter der Firma Stubai vorgedrungen war, muss er mich für einen Irren gehalten haben. Im Klettern herrschte damals in Österreichs Alpentäler noch Mittelalter. Ihm, einem behäbigen Mann mit Schnauzer, saß ein schmales Bürschchen gegenüber. Noch dazu ein Engländer, der in Wien lebt (also der kann ja nichts vom Bergsteigen verstehen), erzählt einem gestandenen Tiroler Älpler, dass es Leute gibt, die auf gefrorene Wasserfälle hinaufklettern und dazu einen Eispickel brauchen, dessen Schaft gekrümmt ist. Seiner Körpersprache und dem Gesichtsausdruck nach war festzustellen, dass er mir kein einziges Wort glaubte. Wie es scheint, war ich damals der Zeit ein wenig zu weit voraus. Der gekrümmte Schaft ist heute Standard.

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Originalentwurf für einen Stubai Eiskletterpickel mit Stabilisationsklaue und gekrümmten Schaft.